Heft 03 2008


Maßgeschneiderte Therapie beim Mammakarzinom.

Klassifikation des Mammakarzinoms –

molekularbiologisches Typing.

Daten zur adjuvanten Aromatasehemmer-Therapie

in der Prämenopause.

Kontrazeption nach malignen Erkrankungen.

Editorial

Individualisierung der Therapie

Professor Dr. med. Walter Jonat, Kiel
PD Dr. med. Christoph Mundhenke, Kiel

Übersicht

Maßgeschneiderte Therapie beim Mammakarzinom

Die medikamentöse Therapie hat beim Mammakarzinom wesentlich zum Rückgang der Mortalität beigetragen. Der konsequente und breite Einsatz der adjuvanten Chemotherapie und endokrinen Therapie kann schon heute die Sterberate mehr als halbieren. Dieser Erfolg ist nur zu erreichen auf Kosten einer erheblichen „Übertherapie“: Absolut profitiert nur jede fünfte Patientin von der einzelnen Maßnahme. Der Begriff maßgeschneiderte Therapie (Tailored Therapy) beschreibt einen individuelleren und effektiveren Ansatz. Patientinnen und ihre Tumoren werden zunehmend differenziert analysiert, um Notwendigkeit und Art einer Therapie zu definieren. Immer genauere Kenntnisse über die Signalkaskaden und Besonderheiten der Tumorzelle tragen einerseits zur individualisierteren Behandlungsindikation, andererseits zur Entwicklung neuer Substanzen bei, mit deren Hilfe es gelingt, Tumorzellen noch effektiver und gezielter zu treffen und dabei Nebenwirkungen noch besser zu vermeiden.

Professor Dr. med. Christoph Thomssen, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle

Übersicht

Klassifikation des Mammakarzinoms – molekularbiologisches Typing

Die histopathologische Klassifikation von Mammakarzinomen erfolgt traditionell in invasiv-duktale, invasiv-lobuläre sowie eine Reihe weiterer seltener Tumortypen. Daneben haben sich in den letzten Jahren neue Ansätze ergeben, Mammakarzinome nach molekularbiologischen Parametern in verschiedene Gruppen einzuteilen, eine so genannte molekulare Klassifikation des Mammakarzinoms. Diese molekularen Subtypen sind in verschiedenen Studien sehr stabil und haben unterschiedliche therapeutische Implikationen. Dennoch ist es in der Praxis bisher schwierig, einen einzelnen Tumor sicher einer molekularen Subgruppe zuzuordnen, da dies eine Genexpressionsanalyse erfordert, die nur mit erhöhten Kosten und an Gefriergewebe durchführbar ist. Daher ist die Bedeutung der molekularen Tumorklassifikation bisher vor allem in einem neuen Tumormodell zu sehen, nach dem es sich beim Mammakarzinom um mehrere unterschiedliche Erkrankungen handelt, die verschiedene therapeutische Konzepte erfordern. Insbesondere die Gruppe der so genannten triple-negativen Karzinome wird weiter untersucht.

PD Dr. med. Carsten Denkert, Institut für Pathologie, Charité Universitätsmedizin Berlin

Übersicht

Mammakarzinom-Diagnostik: Ringversuche zur Qualitätssicherung

In der Mammakarzinom-Diagnostik ist der semiquantitative immunhistochemische Nachweis des Östrogen-, Progesteron- und HER2-Rezeptors von herausragender Bedeutung für die Prognosestellung und die Therapieoptionen der betroffenen Patientin. Insbesondere der Östrogen- und der HER2- Rezeptor stellen Zielmoleküle für effektive medikamentöse Therapien dar. Anders als die histologische Dignitätsbestimmung von Tumoren erfordert die Expressionsanalyse von therapeutischen Zielmolekülen quantitative Angaben, deren Reproduzierbarkeit nur durch eine konsequente Standardisierung des immunhistochemischen Nachweisverfahrens unter Einsatz von internen und externen Qualitätskontrollen gewährleistet werden kann.

PD Dr. rer. nat. Claudia A. Krusche, PD Dr. med. Reinhard von Wasielewski, Professor Dr. med. Joseph Rüschoff, Professor Dr. med. Annette Fisseler-Eckhoff, Professor Dr. med. Hans Kreipe

Kongress

Daten zur adjuvanten Aromatasehemmer - Therapie in der Prämenopause

Ein Highlight im Bereich der Brustkrebstherapie waren Ergebnisse der Studie ABCSG 12, die erneut die Effektivität der endokrinen Therapie bei Patientinnen in der Prämenopause belegen. Diskutiert wurden zudem die Daten der ATAC-Studie sowie der Stellenwert möglicher neuer Biomarker.

Bericht vom ASCO 44th Annual Meeting, Chicago/USA, 30. Mai – 3. Juni 2008
Bericht: Dr. Katharina Arnheim, Berlin

Kongress

Aktuelles in der Diagnostik und Therapie der Endometriose

Mehr als 1.000 Ärzte sowie Vertreterinnen der Selbsthilfegruppen aus über 50 Ländern trafen sich auf dem 10. Endometriose- Weltkongress. Hauptreferate, Spezialsymposien, mehr als 80 Kurzvorträge und über 400 Poster repräsentierten den aktuellen Wissensstand von der Epidemiologie und Ätiologie über die Prävention und Diagnostik bis hin zu den operativen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Der Dialog mit den Selbsthilfegruppen und den Patientinnen wurde weiter intensiviert.

Bericht vom 10th World Congress on Endometriosis (WCE), Melbourne/Australien, 11. – 14. März 2008
Professor Dr. med. Dr. h.c. Karl-Werner Schweppe, Frauenklinik Ammerland, Westerstede

Im Blickpunkt

Kontrazeption nach malignen Erkrankungen

Zur Kontrazeption nach malignen Erkrankungen gibt es kaum wissenschaftliche Daten und nur wenige Empfehlungen. Andererseits stellt z.B. die Kontrazeption nach Mammakarzinom bei jüngeren Patientinnen ein nicht seltenes Problem dar. In vielen Fällen ist eine Kontrazeption unbedingt notwendig, beispielsweise um ungewollte Schwangerschaften, die nach Chemotherapien mit einem hohen Konfliktpotenzial behaftet sein können, zu vermeiden. Nachfolgend wird insbesondere auf die Problematik der Verordnung oraler hormonaler Kontrazeptiva eingegangen.

Professor Dr. med. Thomas Römer, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Evangelisches Krankenhaus Köln-Weyertal

Im Blickpunkt

Brustrekonstruktion: Operationsplanung unter Berücksichtigung der Strahlentherapie

Professor Dr. med. Bernd Gerber, Universitäts-Frauenklinik am Klinikum Südstadt, Rostock

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