Heft 01 2008
ATAC-Studie: 100-Monats-Daten zur Effektivität und Sicherheit
Aktuelle Empfehlungen der Kommission Mamma der AGO
Fortschritte in der endokrinen Therapie des Mammakarzinoms
Endothelin-A-Rezeptor: ein neues Target bei...
Übersicht
ATA C-Studie: 100-Monats-Daten zur Effektivität und Sicherheit
Die aktuellen Daten der ATAC-Studie mit einem medianen Follow-up von 100 Monaten belegen einen langfristigen Effektivitätsvorteil von Anastrozol gegenüber Tamoxifen in der adjuvanten Therapie des hormonsensiblen Mammakarzinoms bei Patientinnen in der Postmenopause. Der positive Effekt hält auch nach Behandlungsende an (Carryover-Effekt) und der absolute Vorteil im Vergleich zum Antiöstrogen nimmt langfristig zu. Auch die aktualisierte Auswertung der Verträglichkeitsdaten zeigt keine Langzeitprobleme für Anastrozol.
Professor Dr. med. Wolfgang Distler, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden
Übersicht
Aktuelle Empfehlungen der Kommission Mamma der AGO
Im Januar 2008 wurden die „AGO-Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms“ zunächst im Kreise der Kommissionsmitglieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit aktualisiert und bereits wenige Wochen später unter der Leitung des Sprechers der Kommission, Christoph Thomssen, Halle, vom 25.–26 Januar 2008 im Rahmen eines „State of the Art Meeting“ der Öffentlichkeit vorgestellt. In dieser Übersicht werden auszugsweise klinisch relevante Änderungen in der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms dargestellt. Die kompletten Empfehlungen 2008 können unter www.ago-online.org abgerufen werden.
Professor Dr. med. Christian Jackisch, Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Brustzentrum Offenbach, Klinikum Offenbach GmbH für die Mitglieder der Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie
Kongress
Fortschritte in der endokrinen Therapie des Mammakarzinoms
Das San Antonio Breast Cancer Symposium hat sich zum weltweit wichtigsten Brustkrebskongress entwickelt: 1978 mit etwa 100 Delegierten gestartet, wurden beim 30-jährigen Jubiläum der Veranstaltung im Dezember 2007 mehr als 8.000 Teilnehmer aus aller Welt registriert. In diesen 30 Jahren wurden in der Brustkrebstherapie große Fortschritte erzielt, erklärte Kongresspräsident Kent Osborne, Houston/USA. Vor allem dem Screening und der adjuvanten Therapie ist es zu verdanken, dass die brustkrebsbedingte Mortalität seit Jahren sinkt. Mittlerweile wurden durch die Integration von Taxanen, Aromatasehemmern und Trastuzumab in die adjuvante Therapie weitere Fortschritte ermöglicht.
Bericht vom 30th San Antonio Breast Cancer Symposium, San Antonio/USA, 12.–16. Dezember 2007 Dr. Katharina Arnheim, Berlin
Im Blickpunkt
Tumortherapie-induzierte Osteoporose: Klinik, Behandlung und Prävention
Eine typische Nebenwirkung der endokrinen Brustkrebstherapie ist die Verringerung der Knochenmasse, was zu einer erhöhten Frakturrate führen kann. Neben allgemeinen prophylaktischen Maßnahmen wie z.B. regelmäßige körperliche Aktivität und kalziumreiche Ernährung können die Patientinnen von einer begleitenden medikamentösen Therapie mit Bisphosphonaten profitieren.
Professor Dr. med Ingo J. Diel, Institut für gynäkologische Onkologie, Mannheim
Im Blickpunkt
Endothelin-A-Rezeptor: ein neues Target bei gynäkologischen Tumoren?
In der Onkologie ist das Interesse an zielgerichteten Therapien (Targeted Therapies) mit so genannten Biologicals groß. Wie Forschungsergebnisse zeigen, wird das Tumorwachstum durch zahlreiche, untereinander vernetzte Signalwege gesteuert. Zielgerichtete Therapien hemmen diese Signalwege an wichtigen Schaltstellen. Die Daten vorklinischer Studien weisen darauf hin, dass diese Therapien bei verschiedenen Tumoren wirksamer sind als die konventionellen Therapien. Der klinische Nutzen zielgerichteter Substanzen – als Monotherapie, kombiniert mit konventionellen Chemotherapien oder in Kombination mit anderen Biologicals – wird derzeit in vielen Studien auch bei gynäkologischen Malignomen untersucht. Ein viel versprechendes neues Target ist der membranständige Endothelin-A-Rezeptor, der bei vielen Malignomen (u.a. beim Ovarial-, Mamma- und Zervixkarzinom) überexprimiert wird und dessen Hemmung das Tumorwachstum verlangsamen oder auch verhindern kann.
PD Dr. med. Pia Wülfing, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Münster
Kongress
Reproduktionsmedizin in Deutschland auf hohem Niveau
548 Teilnehmer aus acht Fachgesellschaften der Reproduktionsbiologie und -medizin diskutierten in Bonn-Bad Godesberg über aktuelle wissenschaftliche, politische und ethische Fragen ihres Fachgebiets. Dabei zeigte sich, dass sich die klinische und wissenschaftliche Reproduktionsmedizin in Deutschland in einem besonderen gesundheitspolitischen und legislativen Umfeld befindet und ein hohes Niveau hat.
Bericht vom 2. Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und -medizin, Bonn-Bad Godesberg, 28.11 – 1.12 2007 Dr. med. Andreas Schüring, Prof. Dr. med. Ludwig Kiesel, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Münster
Im Blickpunkt
Erhöhtes Krebsrisiko nach ovarieller Stimulation?
Es ist eine Vielzahl von Studien mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen zur Krebsinzidenz nach Ovulationsinduktion und ovarieller Stimulation publiziert. In einer kürzlich veröffentlichten, viel beachteten Literaturübersicht wird aufgezeigt, dass eine Risikoerhöhung für eine Entwicklung von Mamma-, Ovarial- oder Endometriumkarzinomen durch ovarielle Stimulation weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann. Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung hinsichtlich des Ovarialkarzinoms kommt auch eine aktuelle Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Da diese Feststellung zu einer erheblichen Verunsicherung von Patientinnen und Ärzten führen kann, erscheinen kritische Überlegungen zu methodischen Aspekten und zur Interpretation der Ergebnisse der vorliegenden Beobachtungsstudien angebracht.
PD Dr. med. M.Sc. Georg Griesinger, Professor Dr. med. Klaus Diedrich